Zur Person Zar Peter III.

Einleitung

Herzog Carl Peter Ulrich von Holstein-Gottorf wurde am 21.2.1728 im Kieler Schloss geboren. 1742 wurde der „Kieler Jung“ auf Geheiß seiner Tante, der russischen Kaiserin Elisabeth I., zum Thronfolger des Russischen Reiches ernannt. Als die Zarin 1762 starb, bestieg der Herzog von Holstein-Gottorf als Peter III. den russischen Thron. Nach nur sechsmonatiger Regierungszeit, in der er die rekordverdächtige Anzahl von nahezu 200 Gesetzen und Erlassen zur sozialen und wirtschaftlichen Erneuerung Russlands auf den Weg brachte, ließ seine Ehefrau, die spätere Kaiserin Katharina II., ihn ermorden, um selbst auf den Thron zu gelangen.

 

Lesen Sie unten die ausführliche Geschichte dazu…

Ein kaiserlicher Stammbaum

Stammtafel der Häuser Romanow und Holstein-Gottorf (halbfett gesetzt sind die Namen der russischen Zaren bzw. Kaiser)

Bildimpressionen

Zu den bekannten Orten, die eng mit der Familie der Holstein-Gottorfer Herzöge verbunden sind, zählen u.a. das Schloss Gottorf in Schleswig, das Schloss in Kiel und das Schloss in Eutin. In Russland ist St. Petersburg ein zentraler Ort, in dem Zar Peter III. auch seine letzte Ruhestätte fand.

Zar Peter III. (Radierung)

Die ausführliche Geschichte

Vor 250 Jahren, am 25. Dezember 1761, nach unserer Zeitrechnung am 5. Januar 1762, bestieg der Kieler Herzog Carl Peter Ulrich als Zar Peter III. den Thron „aller Reußen“ – Wie kam es dazu? Was wissen wir über den „unglücklichen“ Ehegatten und Vorgänger der Kaiserin Katharina II.?

Das von einigen Historikern und auch durch Unterhaltungsfilme negativ gezeichnete Bild von Katharinas Ehegatten wurde in den letzten zwei Jahrzehnten durch umfangreiche Archivforschungen gründlich revidiert. Es kann als gesichert gelten, dass Katharina zum Zwecke der Rechtfertigung eigener Machtgelüste ihren Gatten planmäßig und nachhaltig durch unwahre Behauptungen verunglimpfte, um den tödlichen Staatsstreich gegen ihren eigenen Gemahl propagandistisch zu verteidigen. Das so entstandene Zerrbild eines infantilen, regierungsunfähigen Herrschers, das sich allein auf die Memoiren Katharinas der Großen stützte, wird nunmehr ersetzt werden müssen durch das Portrait eines aufgeklärten Sozialreformers, der noch lange nach seiner Ermordung wegen seiner fürsorglichen Politik vom einfachen russischen Volk verehrt wurde.

Aber wie kam es dazu ?

Carl Peter Ulrich war durch seine Geburt zugleich Anwärter zweier bedeutender europäischer Throne: Auf den schwedischen durch seinen Vater Carl Friedrich, dem Neffen des Schwedenkönigs Karl XII. Anwärter auf den Zarenthron von Rußland war er durch seine Mutter, die russische Prinzessin Anna Petrowna. Sie war die ältere der beiden Töchter des Zaren Peter der Große.

Der russische Kaiser strebte an, im Deutschen Reich einen Brückenkopf oder auch direkten Besitz zu erlangen. Zu Gesprächen darüber lud er den Herzog Carl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf nach Rußland ein. Im Laufe dieser Sondierungen kam es dann 1724 zum Ehevertrag zwischen seiner älteren Tochter und Herzog Carl Friedrich und damit zur Verbindung der mächtigen Zarendynastie der Romanows mit dem Hause Holstein-Gottorf, wobei aber die beiden Eheleute auf einen direkten Anspruch auf die Zaren -und Kaiserkrone verzichten mussten. Nur behielt Peter I. sich ausdrücklich das Recht vor, „einen aus dieser Ehe geborenen, von Gott gesegneten Prinzen“ zum Thronfolger bestimmen zu können. Diese Verfügung zusammen mit dem Ehevertrag der Eltern des Kieler Prinzen Carl Peter Ulrich war der Grundstein zur Verbindung der ehrwürdigen und mächtigen Zarendynastie der Romanows mit dem Herzogtum Schleswig-Holstein zur deutsch-russischen Dynastie Romanow-Holstein-Gottorf.

Carl Peter Ulrich wurde am 21. Februar 1728 im Kieler Schloss geboren. Bereits einige Wochen nach seiner Geburt verstarb seine Mutter, wahrscheinlich an einem Lungenleiden. Und als 1739 auch sein Vater Carl Friedrich verstarb, ging das Erbe der Gottorfer mit dem Titel Herzog von Holstein-Gottorf an den elf Jahre alten Carl Peter Ulrich über.

Kiel um 1750

Schloss Gottorf in Schleswig

Der „Kieler Jung“ wird russischer Großfürst

1742 wurde Carl Peter Ulrich von seiner Tante, der Kaiserin Elisabeth, Schwester seiner Mutter, nach St. Petersburg geholt und dort am 17. November 1742 nach der Annahme des russisch-orthodoxen Glaubens als „Pjotr Fjodorowitsch“ zum Großfürsten und Thronfolger erklärt. Nach diesem Rechtsakt war es Peter nicht mehr möglich, den protestantischen schwedischen Königsthron zu besteigen. Damit hatte das Schicksal des Kieler Prinzen seinen Lauf genommen!

Peter heiratet eine deutsche Prinzessin

Kaiserin Elisabeth verkündete am 17. Geburtstag des Großfürsten dessen Volljährigkeit, so dass er vom 7. Mai 1745 an das Herzogtum Holstein-Gottorf selbst regieren durfte. Am 25. August 1745 wurde er mit der 16 Jahre alten deutschen Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst vermählt, die nach ihrem Übertritt zum russisch-orthodoxen Glauben den Namen Katharina Alexejewna erhalten hatte.

Bereits als Großfürst zeigte Peter großes Interesse an den politischen Ideen der Aufklärung. Er versammelte die besten Köpfe Rußlands um sich, wie u.a. den Universalgelehrten Michail Lomonossow und Jacob von Stählin, um sein Regierungsprogramm langfristig vozubereiten. Seine Musikalität, sein bibliophiles Interesse, insgesamt sein Engagement für die schönen Künste wurden bereits von den Zeitgenossen bewundert. Diese in Petersburger Archiven einsehbaren Fakten stehen in einem deutlichen Gegensatz zu den Behauptungen Katharinas, Peter sei ständig betrunken gewesen oder habe nur mit Puppen gespielt. Von seinem Lehrer Stählin wurde übrigens glaubhaft überliefert, dass Peter keinen Alkohol vertrug.

Der Tod der Kaiserin Elisabeth

Kaiserin Elisabeth starb am 25. Dezember 1761 julianischer Zeitrechnung, d. h. am 5. Januar 1762 nach westeuropäisch / gregorianischer Datierung. Kaiserin Elisabeth hinterließ ihrem Neffen Staatsschulden in unbekannter Höhe, so dass Peter nach seiner Inthronisierung unter einem erheblichen politischen Handlungszwang stand, um die Zahlungsfähigkeit der Staatskasse überhaupt zu gewährleisten. Eine Vielzahl seiner Dekrete sind daher nicht etwa, wie oft dargestellt, einer gewissen Voreiligkeit und Ungeduld geschuldet, sondern dienten der Abwendung eines finanziellen Ruins Russlands.

Erste politische Maßnahmen des neuen Zaren

Eine der ersten Maßnahmen des neuen Zaren war die Beendigung des Siebenjährigen Krieges durch Befehl an die Armeeführer noch am Todestag seiner Tante. Diese Entscheidung deckte sich mit dem Wunsch vieler Russen gegen Ende 1761. Für Preußen kam der 1762 mit Russland geschlossene Friede einem Rettungsanker gleich. Denn seine Lage gegen die Übermacht seiner Gegner schien aussichtslos. In der Tat wäre der Staat Friedrichs des Großen in die Bedeutungslosigkeit zurückgefallen, denn der Krieg war so gut wie verloren, hätte Peter III. mit ihm keinen Frieden geschlossen.

Zarin Elisabeth I.

König Friedrich „der Große“ von Preußen

Modernisierung des Zarenreiches unter Peter III.

Insgesamt lassen sich in der kurzen Regierungszeit Peters III., die nur 186 Tage vom 25. Dezember 1761 bis zum 28. Juni 1762 dauerte (Nach dem gregorianischen Kalender vom 6. Januar 1762 bis zum 9. Juli 1762.) die erstaunliche Anzahl von ca. 200 Verordnungen und Gesetze (Manifeste) nachweisen, die Peters ehrgeiziges Reformwerk anschaulich machen:

1. Bildungsreformen

– Bildungspflicht für alle Kinder

– Berufsausbildungspflicht für Söhne der Aristokraten

– Berufsausbildungpläne für Handwerker

– Qualifizierungspflicht für Lehrer

2. Wirtschaftsreformen

– Errichtung einer Staatsbank

– Abwertung des Rubels zur Förderung des Exports

– Aufhebung des Grundbesitzmonopols für den Adel

– Abschaffung der Salzsteuer

– Förderung des bürgerlichen Mittelstandes

– Infrastruktur für entlegene Provinzen

– Stärkung der russischen Wirtschaft durch Liberalisierung des Außenhandels

3. Kirchenreformen

– Säkularisierung von Kirchenbesitz und

– Befreiung der Kleinbauern von kirchlicher Willkürherrschaft

– Religiöse Toleranz und Gewissensfreiheit

– Kampf gegen Korruption und Misswirtschaft in der Kirche

4. Justiz – und Gesellschaftsreformen

– Abschaffung der Folter

– Auflösung der Geheimen Inquisitionskanzlei (vergleichbar dem KGB)

– Abschaffung der Dienstpflicht des Adels

– Amnestie für politisch Verfolgte

– Lohnarbeit statt Fronarbeit

– Planung eines einheitlichen russischen Gesetzbuches

– Gerichtsreform zugunsten der Angeklagten

– Reise – und Niederlassungsfreiheit im Ausland für den russischen Adel

Die Verschwörung

Katharina hatte den Sturz ihres Gatten, wie sie selbst schrieb, bereits seit seiner Thronbesteigung geplant. Am Morgen des 29. Juni stand eine Garde unter dem Befehl Alexej Orlows, des Bruders von Grigorij Orlow, dem Liebhaber Katharinas, vor der kaiserlichen Residenz. Es kam zu keinem Gefecht. Seiner Holsteiner Garde befahl der Zar, nicht zuerst zu schießen. Peter, der sich nicht wehrte, wurde kurzerhand verhaftet und in das ca. 40 km südwestlich von St. Petersburg gelegene alte Jagdschloss Ropscha verbracht, wo er von den vier Brüdern Grigorij Orlows und einigen anderen Verschwörern bewacht wurde und am 6. Juli eines gewaltsamen Todes, wahrscheinlich durch die Hände Alexej Orlow, starb. Seine Gemahlin Katharina hatte sich bereits am 28. Juni 1762 zur Kaiserin ausrufen lassen und verstieß damit gegen die Thronfolgeregelung, wonach der gemeinsame Sohn Paul zum rechtmäßigen Nachfolger Peters III. hätte ernannt werden müssen.

Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst
(Katharina II.)

„Peter Paul Kathedrale“ St. Petersburg

Die Erklärungsnöte der neuen Zarin

Katharina arbeitete, während Peter von ihren Helfern gefangengehalten und ermordet wurde, an ihren sogenannten Manifesten, die ihren Staatsstreich rechtfertigen sollten und das Andenken an den ermordeten Zaren für die Nachwelt unwiderruflich diffamieren würden.

Wohlwissend, dass die Volksmassen den Kaiser aufgrund seiner sozialen Reformen verehrten und sich von seiner Regierung weitere Freiheiten erhofften, webte Katharina für ihre Veröffentlichungen ein Netz von Unwahrheiten und durchwirkte diese mit pseudoreligiösen Formulierungen, die beim einfachen Volk, so hoffte sie, ihre Machtergreifung als göttlichen Willen erscheinen lassen sollte.

Doch Zar Peter III. blieb noch über Jahrzehnte bei den Russen in Erinnerung, und es kam verschiedentlich sogar zu Aufständen unter Katharina, weil sie die Lasten für Millionen von Kleinbauern wieder erhöhte. Sie versuchte die Verehrung ihres Vorgängers im Volke dadurch zu bekämpfen, dass sie ein Redeverbot über den Putsch verhängte und den Besitz von Bildnissen und Münzen mit Peters Portrait mit der Verbannung nach Sibirien bestrafte.